„Mehr als genug“

Vom 1. September bis zum 4. Oktober 2025 feiern wir auch heuer in ganz Wien die „SchöpfungsZeit“. In dieser Zeit wollen die christlichen Kirchen verstärkt zu einem ökologischen Umdenken ermutigen. Mit einer Haltung der Dankbarkeit und Freude über alles Geschaffene treten auch die Dominikaner der Zerstörung der Schöpfung entgegen. Im Rahmen der „SchöpfungsZeit“ vom 1. September (er gilt bei den Orthodoxen Kirchen und der Römisch-katholischen Kirche als Tag der Schöpfung) bis zum 4. Oktober (Gedenktag des Franz von Assisi) gibt es in unserer Dominikanerkirche S. Maria Rotunda (Postgasse 4, 1010 Wien) freitags besonders gestaltete Abendmessen (18.00 Uhr) sowie montags einen Lesekreis im Thomassaal unseres Konvents (19.30 Uhr) zu „10 Jahre Laudato Si'“ – beides mit Pater Hans Ulrich Steymans OP. Darüber hinaus findet am 10. September eine Abendveranstaltung zur Ökologischen Umkehr mit Dr. Eveline Riedling ICDS statt, die in diesem Zusammenhang der Frage nachgeht: „Was kann ich tun?“

Diese Veranstaltungen bei den Dominikanern gehören zu einem umfassenden Programm von Pfarren und Ordensgemeinschaften in Wien, das während der SchöpfungsZeit stattfindet. Dieses kann man auf den Webseiten des Diözesanen Umweltbüros und der Österreichischen Ordensgemeinschaften einsehen. Faltblätter mit dem SchöpfungsZeit-Kalender liegen in der Dominikanerkirche S. Maria Rotunda aus. 

Bereits am Donnerstag, 28. August 2025, beginnen die Franziskaner um 17.30 Uhr mit dem Vortrag „Das heilige Jahr 2025 – geistliche Erneuerung und Geschichte“ ihre Veranstaltungen im Rahmen der SchöpfungsZeit.

Die Veranstaltungen in Wien in der 35. Kalenderwoche (25.-31. August 2025) siehe hier.

Die Abendmessen zur SchöpfungsZeit stehen in diesem Jahr unter dem vom Verein Oeku, Kirche und Umwelt gewählten Motto „Mehr als genug“. Wir haben mehr als genug – eine farbige Vielfalt an Früchten und Gemüsen, eine große Auswahl an frischen, regionalen Nahrungsmitteln, die uns sättigen und unseren Gaumen freuen. Aber auch vielerlei Import- und Fertigprodukte stehen uns in Hülle und Fülle zur Verfügung. Die ganze Welt sorgt für unser Wohlergehen.

Wie können wir die Vielfalt und Qualität unserer Nahrung mit Freude und Dankbarkeit genießen und gleichzeitig der wachsenden Anzahl von hungernden Menschen auf der Welt gegenüber nicht abstumpfen, sondern handlungsfähig bleiben und aktiv werden? Wie verschwenden wir weniger Lebensmittel? Würde eine achtsame Einschränkung und ein bewusster Verzicht unsere Sehnsucht und unseren Hunger nach einem anderen Mehr wecken?

Papst Franziskus schreibt zum Food Waste: „Außerdem wissen wir, dass etwa ein Drittel der produzierten Lebensmittel verschwendet wird, und dass ‚Nahrung, die weggeworfen wird, gleichsam vom Tisch des Armen […] geraubt wird‘.“ (LS 50)

Hier die Termine im Einzelnen:

Freitag, 05. September 2025, Gedenktag Teresa von Kolkata:
Mehr als genug.
Die Impulse in der Messe sprechen die Themen der klimarelevanten Tage der Liste von „klimaaktiv“ an, einer Initiative, die von den Bundesministerien für Klimaschutz, Energie und Mobilität gesteuert wird.
Freitag, 12. September 2025, Fest Mariä Namen:
14.09.2025 Internationaler Tag der Tropenwälder; 16.09.2025 Tag für die Erhaltung der Ozonschicht.
Freitag, 19. September 2025:
22.09.2025 Autofreier Tag.
Freitag, 26. September 2025:
29.09.2025 Welttag der Flüsse, Internationaler Tag gegen Lebensmittelverschwendung; 01.10.2025 Weltvegetariertag.
Freitag, 03. Oktober 2025:
04.10.2025 Welttierschutztag

Die Enzyklika Laudato Si‘, das Lehrschreiben von Papst Franziskus über unser Haus, die Erde, ist nun zehn Jahre alt – und kein bisschen veraltet. Wir lesen und besprechen Kapitel zu Laudato Si’ aus Büchern zur Schöpfungsverantwortung, die von Klaus Vellguth herausgegeben wurden.

Thomassaal des Dominikanerklosters, 19.30-21.00 Uhr, Hans Ulrich Steymans OP

01. September 2025:
Daniel Fainstein, Gedanken zu Laudato si’, 181–4 in Wir sind nur Gast auf Erden: Lateinamerikanische Schöpfungsspiritualitäten im Dialog, Ostfildern 2019.

Daniel Fainstein ist Dekan und Professor für Judaistik an der Hebräischen Universität in Mexiko City. Studiert hat er in Buenos Aires, Jerusalem und an der Universidad Nacional Autónoma de México, wo er auch promovierte. Seine Schwerpunkte sind hebräische Geschichte, Religionssoziologie und Ausbildung von Lehrenden, weswegen er auch dem Rat der jüdischen Lehre in Argentinien angehörte.

Zugleich kritisiert Franziskus gewisse Einstellungen der sogenannten „Tiefenökologie“, die die hervorgehobene Stellung des Menschen innerhalb des Universums nicht anerkennen, und bekräftigt die Entmythologisierung des Universums durch die biblische Theologie (im Unterschied zu heidnischen Glaubensüberzeugungen).

Was mich beschäftigt, ist die Frage, wie man diese Gedanken des Lehramts der katholischen Kirche, die weitgehend von der jüdischen Tradition geteilt werden, diese Einladung zu einem Sein-Sollen, in Regierungspolitik, in die Praxis der Unternehmen, in das alltägliche Verhalten der Einzelnen übersetzen soll.

8. September 2025:
Shaji George Kochuthara, „Laudato si’ über die Sorge für das gemeinsame Haus: Ein Aufruf zu einer integralen Ethik und Spiritualität, 263–283 in In der Schöpfung Heimat finden: Asiatische Schöpfungsspiritualitäten im Dialog, Ostfildern 2020.

Shaji George Kochuthara CMI ist Professor für Moraltheologie am Dharmaram Vidya Kshetram, Bangalore, und derzeit auch Dekan der Theologischen Fakultät. Er ist leitender Herausgeber der Zeitschrift Asian Horizons: Dharmaram Journal of Theology, stellvertretender Vorsitzender von Catholic Theological Ethics in the World Church (CTEWC), Präsident der Vereinigung der Moraltheologen Indiens und gehört zur Leitung der Ethikkommission des St.-Martha-Krankenhauses in Bangalore. Zudem ist er Herausgeber der Reihen „Asian Theological Ethics“ (CTEWC) und „Dharmaram Moral Theology Series“.

Grundzüge und wichtige Themen von Laudato si’
Der Kontext von Laudato si’
Schöpfungstheologie
Ganzheitliche Ökologie
Umweltökologie, Wirtschaftsökologie und Sozialökologie
Kulturökologie
Die Ökologie des Alltagslebens
Das Gemeinwohlprinzip und Gerechtigkeit zwischen den Generationen
Leitlinien für die Orientierung und Handlung
Ökologische Erziehung und Spiritualität

Der Glaube an die Heiligkeit der ganzen geschaffenen Welt, von dem die Schöpfungstheologie und die traditionelle Sakramententheologie selbstverständlich ausgehen, ist weiter zu entfalten.

15. September 2025:
Saji Mathew Kanayankal, Eine Botschaft der Hoffnung inmitten der Krise, 295–299 in In der Schöpfung Heimat finden: Asiatische Schöpfungsspiritualitäten im Dialog, Ostfildern 2020.

Saji Mathew Kanayankal CST gehört zur Priesterkongregation „Little Flower“. Er hat einen Magistergrad in Religionswissenschaften sowie einen Magister- und Doktorgrad an der Katholischen Universität Leuven (Belgien) erworben. Er ist Autor des Buches „Beyond Human Dominion. Ecotheology of Creation and Sabbath“, einer der Herausgeber des Jeevadhara Journal und lehrt Moraltheologie, ökologische Ethik und Theologie der Gerechtigkeit an verschiedenen Seminaren und Instituten.

Die Erde: Unser gemeinsames Haus
Die ökologische Krise – ein globales und ein moralisches Problem
Das Verhältnis von Mensch und Natur
Wechselseitige Verbundenheit und Solidarität
Ein offener Appell zur ökologischen Umkehr

22. September 2025:
Aidan G. Msafiri, Architektur und Potenziale der Enzyklika Laudato si‘, 267-76 in Mit der Schöpfung Leben atmen: Afrikanische Schöpfungsspiritualitäten im Dialog, Ostfildern 2021.

Aidan G. Msafiri, Dr. phil., ist Geschäftsführer und leitender Direktor am Kilimanjaro Consortium for Development and Environment (KCDE) in Tansania.

Laudato si’ (2015) ist eine Magna Charta des 21. Jahrhunderts für die Sorge um die Erde. Als prophetischer Aufruf und prophetische Stimme einzigartigen Charakters stützt sich Laudato si’ zur Begründung von nachhaltiger ökologischer Gerechtigkeit auf lokaler und globaler Ebene auf einen machtvollen methodischen Dreiklang von neu denken, reflektieren und reagieren.

29. September 2025:
Hans Ulrich Steymans, Impulse von Laudato si’ und Querida Amazonia für eine biblische und kosmische Theologie der Erde, in Religionswelten, im Druck.

Hans Ulrich Steymans OP, Dr. theol., Mag. phil., widmet sich seit seiner Emeritierung als Professor für Altes Testament und Biblische Umwelt an der Universität Freiburg/Schweiz vermehrt ökotheologischen Themen, auch unter Anwendung der Hermeneutik des Earth Bible Projects von Norman Habel. 

Papst Franziskus hat in seinen Schreiben Laudato Si‘ und Querida Amazonia Impulse der Wissenschaftler in den päpstlichen Akademien aufgegriffen. Von dem Theologen Leonardo Boff übernahm er das Konzept der integralen Ökologie und von Matthew Fox den Blick auf den kosmischen Christus. Bei seiner Interpretation der biblischen Schöpfungsgeschichte verfolgt der Papst eine apologetische Stoßrichtung, die Aussagen der Heiligen Schrift von falschen Auslegungen abhebt, um zu verdeutlichen, dass die menschliche Herrschaft über die Natur eine Verantwortung zur Fürsorge und nicht einen Freibrief zur Ausbeutung bedeutet. In Bezug auf den interreligiösen Dialog im Kontext der ökologischen Verantwortung der Religionen lässt sich ein Impuls zugunsten des Biozentrismus von Seiten der Indigenen des Amazonasgebietes zeigen.

Mittwoch, 10. September 2025:
„Schöpfungsverantwortung – was kann ich tun?“

Einführung – gemeinsame Impulse – auf Kärtchen aufgeschrieben – persönlich ausgewählt.

Dominikanerkloster, Thomassaal, 19.30-20.30 Uhr, Dr. Eveline Riedling ICDS

(Foto ganz oben: Bernard Hermant auf Unsplash)