IMPULS FÜR DIE 1. ADVENTSWOCHE

Das Buch Jesaja ist nach den Psalmen das am häufigsten im Neuen Testament zitierte Buch des Alten Testaments. Von der frühen Kirche an sahen die Christen in der Prophetie des Jesaja eine Vorankündigung dessen, was sich in Jesus realisiert. So wollen auch wir zu Beginn der Adventszeit einen Blick auf das Ziel werfen.

Am 4. Adventssonntag hören wir, nachdem der König Ahas aus falscher Bescheidenheit die Aufforderung Jesajas zurückweist, Gott um ein Zeichen zu bitten:

Darum wird der Herr selbst euch ein Zeichen geben: Siehe, die Jungfrau hat empfangen, sie gebiert einen Sohn und wird ihm den Namen Immanuel geben. (Jes 7,14)

Immanuel bedeutet: Gott mit uns. In Jesus ist Gott nicht nur irgendwie mit uns, sondern er wird ein Mensch, einer von uns. Er ist mit uns in Allem. Er wird uns gleich in Allem, außer der Sünde (vgl. Hebr 4,15). So kommt wunderbar zum Ausdruck, dass Er uns in unserer Schwachheit nicht allein lässt, vielmehr ist er gerade dort mit uns. Jesus erlöst und heilt uns. Er scheut die Berührung mit uns nicht. Besonders nicht in unserer tiefsten Schwäche, Sünde und Finsternis.

Am 24.12. wird jedes Jahr in der Christmette aus dem neunten Kapitel gelesen, indem der Prophet das verheißene Kind noch genauer beschreibt:

Denn ein Kind wurde uns geboren, / ein Sohn wurde uns geschenkt. Die Herrschaft wurde auf seine Schulter gelegt. / Man rief seinen Namen aus: Wunderbarer Ratgeber, Starker Gott, / Vater in Ewigkeit, Fürst des Friedens. (Jes 9,6)

Christus ist Gottes Kraft und Gottes Weisheit (1. Kor 1, 24). Er weist uns den Weg, ja viel mehr ist er selbst der Weg. Er ist der starke Gott. Im Hebräischen heißt es hier: el-gibbor. Gibbor bedeutet: stark, mächtig oder als Substantiv: Krieger, Held“. Gott kämpft für uns und setzt sich ganz für uns ein. Besonders bemerkenswert ist, dass an dieser Stelle auf einzigartige Weise bereits im Alten Testament der Messias als „Gott“ identifiziert wird. Das ist gerade deswegen herausragend, da sich das Buch Jesaja ebenfalls in aller Deutlichkeit zu einem strikten Monotheismus bekennt (Jes 44). Das Kind ist also der einzig wahre Gott selbst. Als Vater in Ewigkeit nimmt sich Gott seiner Kinder an und bringt als Fürst des Friedens wirklich den Frieden.

Jesus ist der Immanuel. Er ist ganz für uns und ganz mit uns. Er ist die Erfüllung aller Sehnsucht unseres Herzens. Lasst uns IHN in diesem Advent mit Freude erwarten.

Verkündet es jauchzend, lasst dies hören, tragt es hinaus bis ans Ende der Erde!  Sagt: Der HERR hat seinen Knecht Jakob ausgelöst. (Jes 48,20)

frater Josef M. Schneider OP, Student im Studentat der Dominikaner in Wien

(Das kleine Foto oben zeigt das Gemälde „Prophet Jesaja“ von Antonio Balestra, 1666 – 1740.
Foto: Antonio Balestra, Public domain, via Wikimedia Commons)