Facebook Button Youtube Button

fr. Simon Hacker OP

Wovon das Herz voll ist…“

Geboren wurde ich kurz vor dem Mauerfall 1989 im brandenburgischen Schwedt/Oder, hinein in eine sehr aktive katholische Familie. Auch wenn ich als Kind und Jugendlicher viele Hobbies hatte – die Kirche war mir irgendwie immer am wichtigsten. Der Glaube an diesen Gott faszinierte mich und ich hatte das große Glück, Kirche als einen Ort kennenzulernen, wo ich gemeinsam mit anderen meiner Sehnsucht nach diesem Gott folgen konnte.

So ging ich nach meinem Abitur 2009 zum Zivildienst ins Christian-Schreiber-Haus, dem Jugendhaus des Erzbistums Berlin, um dort noch näher an der katholischen Jugendpastoral dranzusein und gleichzeitig weiter zu überlegen, ob Kirche als ‚Berufung‘ etwas für mich sein könnte. Dort lernte ich bei den Franziskanerinnen, die im Haus arbeiteten, auch das Stundengebet schätzen. Am Ende des Zivildienstes fühlte ich mich aber immer noch nicht schlauer und wusste nicht, was ich anschließend tun sollte. Damals half mir meine Mutter: „Junge, du siehst doch den Wald vor lauter Bäumen nicht. Theologie! Was anderes interessiert dich doch gar nicht.“ Recht hatte sie und es war eigentlich auch selbstverständlich – ich brauchte damals aber ihre Hilfe, dass zu erkennen.

Also zog ich 2010 zum Theologiestudium nach Freiburg – wegen des guten Wetters... Bewusst hatte ich mich gegen das Priesterseminar entschieden, denn ich wollte mir alle Optionen bis zum Studienende offen halten. Im Hinterkopf hatte ich aber immer die Überlegung, irgendwann doch Priester zu werden. Als ich mich mit meinen Überlegungen dem Dominikanerpater anvertraute, der damals an unserer Hochschulgemeinde wirkte, bat mich dieser: „Überleg doch mal, ob nicht ein Orden etwas für dich sein könnte.“ Irgendwie hatte er den richtigen Punkt getroffen: Nach zwei Wochen des Überlegens war mir klar, dass, wenn ich wirklich Priester werden wollte, dies für mich nur innerhalb eines Ordens denkbar wäre. Nur dass ich wirklich als Geweihter leben und arbeiten wollte, war mir immer noch nicht klar. Es dauerte tatsächlich weitere sechseinhalb Jahre (die mich zwischenzeitlich zum Studium nach New Haven/USA und zum Praktikum in der Hochschulseelsorge nach Bern führte), also bis zum Studienende 2017, bis ich mir sicher war: Ich will es versuchen. Ich melde mich bei den Predigerbrüdern.

Im März 2018 begann ich also mein Postulat in der norddeutschen Dominikanerprovinz Teutonia, arbeitete währenddessen einige Monate in einer Hamburger Obdachlosenküche und wurde dann am 11. August 2018 in Worms eingekleidet. Neben vielen Dingen, die ich im Noviziat lernen und erleben durfte, habe ich die Arbeit im Wormser Jugendarrest aber am meisten geschätzt: die Jugendlichen zweimal die Woche auf ihren Zellen zu besuchen, ihnen zuzuhören, was auch immer sie zu erzählen hatten, ihnen zu helfen, den Mut nicht zu verlieren und stattdessen neue Perspektiven in den Blick zu nehmen.

Das Noviziat endete am 14. September 2019 mit der Einfachen Profess und dem Versprechen, für drei Jahre beim Predigerorden zu bleiben. Seitdem bin ich hier in Wien und treibe mich als Gasthörer an der Uni rum, bis ich demnächst eine Stelle in der Seelsorge antreten werde.

„Warum“, könnten Sie nach diesem Text jetzt fragen, „warum bist du eigentlich Christ?“ Weil ich etwas erfahren habe, würde ich antworten: eine kaum beschreibbare Geborgenheit bei diesem Gott, der mich unendlich liebt. Und die Hoffnung, dass dieser Gott auch dann noch trägt, wenn sonst nichts mehr hält, wenn alles wegbricht. „Und warum dann Dominikaner?“ Weil der Mund sprechen will, wovon das Herz voll ist (Lk 6,45).