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fr. Dominik Ahlers OP

Eine Stimme ruft: In der Wüste bahnt den Weg des HERRN, ebnet in der Steppe eine Straße für unseren Gott! (Jes 40,3)

 

Wüste gibt es wahrlich nicht, in meiner Heimat: einem kleinen Dorf namens Oberlangen im norddeutschen Tiefland an der niederländischen Grenze. Dafür – das bringt eine weit und breit fehlende städtische Prägung mit sich – unebene Straßen in Hülle und Fülle. Eine dieser unebenen Straßen führte von unserer Haustür durch das Dorf zur Kirche hin, knapp 100 Meter war sie entfernt. Die Nähe zur Kirche war jedoch nicht nur räumlicher Natur: von klein auf bin ich in die Kirche hineingewachsen und in ihr großgeworden. Neben den großen sakramentlichen Feiern – Taufe, Kommunion und Firmung – war die Pfarrgemeinde schon sehr früh auch in anderen Bereichen für mich prägend, sei es durch den Ministrantendienst, durch Gruppenstunden oder nach der Firmung auch durch die Ministrantenausbildung und die Mitleitung der Katholischen Landjugend-Bewegung (KLJB, ein kirchlicher Verein für Jugendliche auf dem Land) vor Ort.

Kirche habe ich dort von Anfang an als eine Gemeinschaft erlebt, für die es sich lohnt, einzutreten. Dementsprechend habe ich es auch relativ früh in Erwägung gezogen, später einmal für die Kirche zu arbeiten.

Ungefähr zum Abitur (2015) wurden dann die Planungen diesbezüglich konkreter. Meine Geistliche Begleitung empfahl mir, nach dem Abitur ein Jahr Zeit zu nehmen – eventuell in einem fremden Land um auch Weltkirche kennenzulernen. Auf der Suche nach kirchlichen Organisationen und Gemeinschaften, die einen solchen Austausch anbieten bin ich im Rahmen von einer willkürlichen Internetrecherche auf die Dominikaner gestoßen. Nach kurzem Telefonat war jedoch klar: die Provinz Teutonia des Ordens der Predigerbrüder bietet solche Programme nicht an. Alternativ habe ich dann ein Jahr (2015-2016) in einer Werkstatt für Menschen mit Behinderungen in Osnabrück gearbeitet; ebenso fing ich an, in der Jugendpädagogik in einer Jugendbildungsstätte des Bistums Osnabrück zu arbeiten.

Während dieses Jahres erhielt ich eine Einladung, die Kar- und Ostertage im Wormser Noviziatskonvent zu verbringen. Ohne große Erwartungen im Gepäck habe ich mich aufgemacht und konnte so erste Erfahrungen sammeln, wie Predigerbrüder leben. Mit positiver Grundstimmung auf der Rückfahrt („so schlimm war es ja gar nicht“) habe ich erwogen, ob das Leben als Prediger eine Möglichkeit für mich sein könnte. Dieser Frage bin ich nachgegangen, indem ich weitere Konvente besucht habe, bis langsam die Gewissheit kam: Ich möchte zumindest ausprobieren, ob die Art und Weise der Nachfolge Christi, wie sie der heilige Dominikus entworfen und uns überliefert hat, eine für mich passende ist.

So begann im Herbst 2016 das Postulat in Braunschweig gefolgt vom Noviziat in Worms, welches mit der Einfachen Profess im März 2018 beendet wurde.

Nun lebe ich im Wiener Konvent und studiere an der Universität Wien Katholische Fachtheologie.

In einer Welt, in der die Lebenswege vieler Menschen von Wüsten gezeichnet sind und unebene Straßen diese Wege scheinbar unüberwindbar schwer machen, sind wir als Predigerbrüder aufgerufen – wie ich finde ein sehr schöner aber auch hoher Anspruch – das Evangelium von der Gnade Gottes zu verkünden, wie es schon der heilige Dominikus – wie wir ihn abends nach der Vesper als praedicator gratiae anrufen – vor über 800 Jahren bereits getan hat.